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Gospel

Etwas zur Enststehung von Gospel & Gospel-Links

Das Wort "Gospel" bedeutet "Evangelium": die Frohe Botschaft wird also durch die religiösen Texte und die Musik verbreitet. "Spiritual" ist hingegen das englische Wort für "geistig, geistlich, geistvoll". Häufig werden bekannte Lieder wie "Oh Happy Day" oder "Swing Low, Sweet Chariot" fälschlicherweise dem Doppelbegriff "Gospels & Spirituals" zugeordnet.
Tatsache ist, dass sich die Gospels ein Stück weit aus den Negro Spirituals herausgebildet haben. Diese Entwicklung hatte in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts begonnen und führte mehr und mehr zur Kommerzialisierung einer Musik, die einst Tausenden von Sklaven afrikanischer Herkunft half, in unmenschlicher Gefangenschaft ihre Individualität zu bewahren. Der Ausdruck von tiefem Leid und unendlicher Freiheitssehnsucht in diesen Liedern bewegt uns auch heute noch.

Im Gegensatz aber zu den Spirituals, die in freier Improvisation und mündlich überliefert als Gesänge der Sklaven im "Arbeitsalltag" entstanden, werden Gospelsongs jeher komponiert und mehr oder minder arrangiert. Füßestampfen und Händeklatschen ersetzten bei den Spirituals die verbotenen Trommeln, diese hätten ja nach dem Glauben der Sklavenhalter zur Übermittlung geheimer Botschaften dienen können.
Viele Spirituals basierten auch auf den protestantischen Hymnen der Weißen, denn auch diese erfreuten sich bei den getauften Sklaven großer Beliebtheit und wurden einfach mit neuen Texten versehen und adaptiert. Die Texte der Spirituals geben Zeugnis von denjenigen Aspekten des christlichen Glaubens, die den Afroamerikanern am meisten bedeuteten. Im Zentrum stand dabei die Erlösung des Menschen von allem Leid. Doch wo die weißen Christen in ihren geistlichen Liedern vom himmlischen Paradies träumten, da waren die Ziele der Farbigen ungleich realer: wenn sie Moses besangen, der sein Volk in die Freiheit führte, so dachten sie dabei an die Mitglieder der Sklavenbefreiungs-Organisation "underground railroad".
Bisweilen fiel der Doppelsinn der Spiritual Texte sogar den Weißen auf; Lieder wie "Steal Away To Jesus" wurden dann umgehend verboten. Schließlich konnte ja irgendein Sklave auf den Gedanken kommen, die Aufforderung, sich "davon zustehlen", wörtlich zu nehmen.

Waren die Spirituals also also eher von den Texten des Alten Testamentes geprägt, so behandeln Gospels vorrangig die Geschichte Jesu und die Botschaft des Neuen Testaments. Die Texte erzählen von der durch den Glauben erwachsenden Lebensfreude und Zuversicht sowie von der Liebe zu Gott und den Menschen.

Durch den Einfluss von Jazz-, Soul- und Funkelementen sind Gospels der Populärmusik rhythmisch und melodisch näher als die meisten Sprituals. So finden sich insbesondere in den USA immer wieder moderne Gospelsongs in den Music-Charts, nicht selten weit oben.
Zum Teil einfache, aber markante Rhythmen, Offbeats, kraftvoller Gesang und die improvisatorischen Variationen lassen den Zuhörer diese Inhalte nicht nur hören sondern auch fühlen. Vor allem trägt das typische Call and Response-Prinzip, bei dem ein Solist beginnt und der Chor antwortet, dazu bei, dass in Konzerten auch die Zuhörer aktiv in die Chorgemeinschaft eingeschlossen werden können. Ihnen wird somit eine ähnliche oder gar gleiche Freude zuteil wie den Chorsängern.

"Call-and-Response", das Ruf-und-Antwort-Schema, ist ein Hauptbestandteil der sog. Worksongs, die auch über die Zeit der Sklaverei hinaus Anwendung fanden. Es waren (sind) Lieder, die zur Arbeit auf den Feldern und an Bord von Schiffen gesungen wurden. Durch ihren einheitlichen Rhythmus bewirkten diese Songs, dass Menschen in Gruppen effizient zusammenarbeiteten und nicht so leicht müde wurden. Ein Vorsänger improvisierte eine erste Zeile samt Rhythmus (call), die anderen gaben eine knappe Antwort, meist in der Art eines Zwischenrufs (response).
Diese ursprünglichen "Stegreif-Lieder" liesen ihre afrikanischen Wurzeln deutlich erkennen. Im Laufe der Zeit lösten sie sich aber auch von ihrer unmittelbaren Arbeitsfunktion und gingen wie die Tanz- und Spiellieder in das musikalische Alltagsrepertoire der Menschen als rudimentäre Überreste des alten afrikanischen Brauchtums ein.